François Höpflinger
Nachberufliche Tätigkeitsfelder in der Schweiz - Problemstellung und Beobachtungen
Inhalt:
Weiterarbeit im Alter
Wandlungen im Lebensstil älterer Menschen
Freizeittätigkeiten in der nachberuflichen Lebensphase
Teilnahme in Vereinen, ehrenamtliche und freiwillige Tätigkeiten
Hauptergebnisse in Thesenform
Ausgangsbemerkungen
"Arbeit bis ins Grab" war bis Mitte des 20. Jh. das Schicksal der grossen Mehrheit, und vor Einführung der AHV konnten sich nur die Reichen einen Ruhestand leisten. Auch die Einführung der AHV änderte daran vorerst wenig. Eine längere nachberufliche Lebensphase wurde für viele Menschen erst in den letzten Jahrzehnten möglich.
Die nachberuflichen Tätigkeitsfelder sind fast so vielfältig wie die Tätigkeiten in früheren Lebensphasen. Insgesamt zeigt sich, dass frühere Tätigkeitsmuster auch nach der Pensionierung grundlegend beibehalten werden (was kontinuitätstheoretischen Annahmen entspricht). Zentral ist primär die bisherige Lebensführung, und wer in früheren Lebensphasen aktiv war und sich etwa in freiwilligen Tätigkeiten engagiert hat, wird dies im allgemeinen auch in der nachberuflichen Lebensphase tun. Typologisch gesehen können die nachberuflichen Tätigkeitsfelder unterschieden werden in: a) berufsnahe versus berufsferne Aktivitäten; b) produktive, sozial engagierte versus konsumtive, ego-zentrierte Aktivitäten, sowie c) öffentlich sichtbare versus primär private Aktivitäten.
Beim Vergleich verschiedener Altersgruppen ist zu berücksichtigen, dass Unterschiede zwischen berufstätigen und pensionierten Frauen und Männer nicht nur Alterseffekte, sondern auch Generationeneffekte widerspiegeln können. So besuchen beispielsweise ältere Menschen häufiger Gottesdienste als jüngere Menschen, dies aber weniger, weil Menschen mit steigendem Alter religiöser werden, sondern primär weil ältere Menschen Generationen angehören, für die Gottesdienste selbstverständlich waren. (Zum Thema: Alters- versus Kohorteneffekte).
Im einzelnen sind die nachberuflichen Tätigkeiten sachgemäss je nach Geschlecht, finanzieller Absicherung, aber auch Wohnsituation und Haushaltsform unterschiedlich. Entsprechend variieren die nachberuflichen Aktivitäten je nach Ausbildung, Einkommen, Zivilstand, Hauseigentum sowie Wohnlage (Stadt-Land). Entscheidend ist im höheren Lebensalter auch das gesundheitliche Befinden, und die Weiterführung früherer Aktivitätsmuster ist nur auf der Grundlage einer guten körperlichen, psychischen und kognitiven Verfassung möglich. Gesundheitliche Einbussen zwingen vor allem im hohen Lebensalter oft zu Anpassungen der Aktivitäten, sei es, dass ein alter Mensch sich aufgrund von Mobilitätseinschränkungen vermehrt auf häusliche Aktivitäten beschränken muss; sei es, dass Kommunikations- und Gedächtnisprobleme zum Rückzug aus Vereinen führen usw.
Im folgenden werden neue Studienergebnisse zu nachberuflichen Tätigkeiten angeführt. Dabei beschränke ich mich weitgehend auf ältere Menschen in Privathaushaltungen, und sachgemäss stehen beim Thema "nachberufliche Tätigkeiten" vor allem die autonomen, nicht-pflegebedürftigen ältere Menschen im Zentrum. Einige der nachfolgend präsentierten Daten beschränken sich auf jüngere RentnerInnen (62/65-79 Jahre).
A) Weiterarbeit im Alter
1950 waren zwei Drittel aller 65-69-jährigen Männer weiterhin erwerbstätig, und selbst 40% der über 70-jährigen Männer waren in irgendeiner Form erwerbstätig. Noch 1970 arbeitete fast die Hälfte der Männer in der Schweiz auch nach Erreichen des AHV-Alters weiter, und 20% waren auch im Alter von 70 und älter weiterhin erwerbstätig. Die Erwerbsquote von AHV-Rentnern sank allerdings in den letzten Jahrzehnten massiv, und heute sind nur noch gut 12% aller 65-69-jährigen Männer erwerbstätig. Vielfach handelt es sich um Selbständigerwerbende und Gewerbetreibende. Noch seltener ist es, dass RentnerInnen erneut eine berufliche Tätigkeit aufnehmen. Allerdings dürfte inskünftig die Zahl jener AHV-Rentner und AHV-Rentnerinnen ansteigen, welche die Pensionierung dazu benützen, um sich etwa nach jahrzehntelanger Arbeitnehmertätigkeit im Alter als "Jungunternehmer" zu engagieren. Modelle wie Adlatus und Senexpert illustrieren, dass es möglich ist, auch im AHV-Alter produktiv zu bleiben (beispielsweise zugunsten jüngerer Generationen).
Tabelle 1:
Entwicklung der Erwerbstätigkeit bei über 60-jährigen Männer
und Frauen seit 1950
|
1950
|
1960
|
1970
|
1980
|
1990
|
2000
|
|
| Männliche Wohnbevölkerung: | ||||||
| - 60-64 Jahre |
88%
|
89%
|
87%
|
83%
|
80%
|
75%
|
| - 65-69 Jahre |
66%
|
59%
|
49%
|
26%
|
17%
|
12%
|
| - 70+ Jahre |
40%
|
31%
|
20%
|
9%
|
5%
|
4%
|
|
Weibliche Wohnbevölkerung: |
||||||
| - 60-64 Jahre |
24%
|
25%
|
30%
|
24%
|
24%
|
30%
|
| - 65-69 Jahre |
17%
|
17%
|
17%
|
10%
|
7%
|
7%
|
| -70+ Jahre |
9%
|
7%
|
6%
|
3%
|
2%
|
2%
|
Quelle: Eidg. Volkszählungen.
Bei den gegenwärtigen Generationen von Frauen im AHV-Alter - zumeist langjährig als Hausfrauen und Mütter tätig - sind die Erwerbsquoten noch geringer. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass viele Frauen auch nach dem AHV-Alter weiterhin im Haushalt tätig sind. Gemäss Schweiz. Arbeitskräfteerhebung 1997 sind die 62-74-jährigen Frauen durchschnittlich 31 Wochenstunden mit Haus- und Familienarbeiten beschäftigt (was mehr als einer Halbtagsstelle entspricht).
B) Wandlungen im Lebensstil älterer Menschen
Ein in Genf und Wallis durchgeführter Zeitvergleich (1979-1994) lässt erkennen, dass der Anteil inaktiver, aber auch zurückgezogen lebender älterer Menschen klar gesunken ist. Vermehrt wird heute ein aktiver Lebensstil gepflegt (vgl. Tabelle 2).
Tabelle 2:
Lebensstil zuhause lebender älterer Menschen: Genf und Zentralwallis
1979 und 1994
|
Alter:
|
60-64 J.
|
65-69 J.
|
70-74 J.
|
75-79 J.
|
80-84 J.
|
85-94 J.
|
|
| Inaktiv |
1979
|
-
|
21%
|
22%
|
295
|
39%
|
72%
|
|
1994
|
10%
|
11%
|
11%
|
19%
|
29%
|
45%
|
|
| Zurückgezogen |
1979
|
-
|
20%
|
22%
|
26%
|
21%
|
10%
|
|
1994
|
8%
|
13%
|
14%
|
24%
|
21%
|
31%
|
|
| Partizipativ & solidarisch |
1979
|
-
|
20%
|
20%
|
15%
|
18%
|
17%
|
|
1994
|
21%
|
21%
|
23%
|
18%
|
21%
|
10%
|
|
| Selbstverwirklichung |
1979
|
-
|
20%
|
23%
|
18%
|
14%
|
8%
|
|
1994
|
22%
|
26%
|
21%
|
15%
|
18%
|
9%
|
|
| Partizipat. Freizeitaktivit. |
1979
|
-
|
20%
|
14%
|
13%
|
8%
|
4%
|
|
1994
|
39%
|
30%
|
31%
|
25%
|
8%
|
6%
|
|
| Aktiver Lebensstil total |
1979
|
-
|
60%
|
57%
|
46%
|
40%
|
19%
|
|
1994
|
82%
|
77%
|
75%
|
58%
|
47%
|
25%
|
Inaktiv: geringes Aktivitätsniveau allgemein (=passiver
Lebensstil)
Zurückgezogen: primär häusliche Aktivitäten (Lesen, fernsehen,
Hausarbeiten, Garten)
Partizipativ und solidarisch: hohe Freizeitaktivität kombiniert mit aktiver
Hilfe für andere
Selbstverwirklichung: Selbst- und freizeitorientierterte Aktivitäten.
Partizipative Freizeitaktivitäten: Freizeitaktivitäten mit anderen,
in Gruppen.
Fett: gleiche Kohorten
Quelle: Lalive d'Epinay et al. (2000) Vieillesses au fil du temps. Une révolution tranquille, Lausanne: Réalités Sociales: 368.
Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass ein partizipativer und aktiver Lebensstil eng mit der funktionalen Gesundheit verhängt ist. Da gesundheitliche Einschränkungen im hohen Lebensalter häufiger werden, nimmt der Anteil inaktiver Menschen vor allem nach dem Alter von 80 Jahren klar zu. Das Vorhandensein intimer Freunde und ein aktiver Lebensstil sind ebenfalls miteinander positiv verbunden. Gerade bei städtischen RentnerInnen führt das Fehlen von FreundInnen dazu, dass diese Menschen häufiger zuhause bleiben. Weiter zeigt sich, dass depressive Symptome das Aktivitätsniveau - auch bei an und für sich guter körperlicher Verfassung - reduzieren. Umgekehrt gilt aber auch, dass gute nachberufliche Aktivitäten das psychische Wohlbefinden steigern (und damit depressiven Verfassungen vorbeugen können). Im Gegensatz zu theoretischen Annahmen zeigten sich in der Genfer und Walliser Studie keine klaren sozialen Unterschiede im Aktivitätsniveau älterer Menschen. D.h. ob jemand tieferen oder höheren Sozialschichten angehört, hat auf den Lebensstil - so wie er hier erfasst wurde - wenig Einfluss.
Der aktivere Lebensstil vieler heutiger AHV-RentnerInnen hat viel damit zu tun, dass manche ältere Menschen von einem hohen Wohn- und Lebensstandard zu profitieren vermögen. Die in Tabelle 3 aufgeführten Daten aus der Ersterhebung des schweizerischen Haushaltspanels 1999 verdeutlichen dies: Die grosse Mehrheit namentlich junger RentnerInnen besitzt ein eigenes Automobil, was ihre räumliche Mobilität erhöht. Nahezu jeder fünfte Neurentner besitzt eine Zweitwohnung. Ein Farbfernsehen gilt heute als selbstverständlich, und überraschend viele ältere Menschen leben in Wohnungen mit Garten oder Terrasse.
Tabelle 3:
Indikatoren zum Lebens- und Wohnstandard von zuhause lebenden 60-79 jährigen
Menschen 1999
|
Alter Referenzperson: |
||||
| Indikatoren zum Lebensstandard: |
60-64 J.
|
65-69 J.
|
70-74 J.
|
75-79 J.
|
| Zweitwohnung vorhanden |
21%
|
26%
|
19%
|
16%
|
| Automobil vorhanden |
84%
|
80%
|
71%
|
53%
|
|
Wohnung/Haus mit: |
||||
|
- Garten oder Terrasse |
81%
|
84%
|
81%
|
81%
|
| - Farbfernsehen |
94%
|
94%
|
94%
|
95%
|
| - Waschmaschine in eigener Wohnung |
68%
|
69%
|
55%
|
40%
|
| - Abwaschmaschine |
60%
|
60%
|
55%
|
40%
|
| - Computer zu Hause |
44%
|
33%
|
22%
|
13%
|
| - Internet-Anschluss zuhause |
15%
|
14%
|
5%
|
2%
|
| Finanzielle Möglichkeit: | ||||
| - pro Jahr eine Woche Ferien weg von zuhause (%-Ja) |
80%
|
80%
|
71%
|
60%
|
| - monatliche Einladung an Freunden zum Essen (%-Ja) |
63%
|
60%
|
57%
|
46%
|
| - monatliches Restaurantessen (%-Ja) |
54%
|
57%
|
56%
|
46%
|
N: 60-64 J.: 333 B., 65-69 J.: 316 B.; 70-74 J.: 272 B.,
75-79 J.: 176 Befragte.
Quelle: Haushaltspanel-Daten 1999.
Die Mehrheit der älteren Menschen bejaht die Möglichkeit, jährliche Ferien zu unternehmen oder mindestens einmal im Monat auszugehen bzw. Freunde zum Essen einzuladen. Computer und Internet-Anschluss sind in den höheren Altersgruppen zwar seltener anzutreffen. Dies reflektiert jedoch primär Kohorteneffekte, d.h. den unterschiedlichen Umgang älterer Generationen mit neuen Informationstechnologien. Bei den zukünftigen RentnerInnen dürften moderne Kommunikationsmitttel bald schon zur Standardausrüstung gehören.
Es mehren sich die Hinweise, dass heutige Generationen älterer Menschen vielfach ein jüngeres Verhalten aufweisen als frühere Generationen. Aktivitäten, welche früher jüngeren Erwachsenen zugetraut wurden, werden heute auch von älteren Menschen ausgeübt: Aktiv sein und Reisen wird heute auch für Leute im Rentenalter empfohlen. Dasselbe gilt für eine regelmäsisge sportliche Betätigung, wobei sich immer mehr ältere Menschen getrauen, Leistungssport zu betreiben. Sich im Alter modisch kleiden, früher als unangebracht verpönt, gehört heute zur Norm, und selbst Sexualität im Alter - lange Zeit tabuisiert - wird offener diskutiert und praktiziert. Lernen im Alter - lange Zeit als unmöglich oder unnötig erachtet - gilt heute als Voraussetzung für erfolgreiches Altern, und der Aufschwung der Seniorenuniversitäten beweist, dass Bildung und Alter durchaus vereinbar sind. Der Lebensstil namentlich der 65- bis 74-jährigen Menschen, teilweise aber auch der Lebensstil über 75-jähriger Menschen hat sich speziell seit den 80er Jahren wesentlich geändert, und zwar eindeutig in Richtung einer aktiven und freizeitorientierten Lebensgestaltung.
Angesichts der Tatsache, dass mehr und mehr RentnerInnen einen Freizeit- und Lebensstil pflegen, der sich nur graduell vom Lebensstil erwerbstätiger Menschen unterscheidet, kann durchaus von einer Verjüngung des Alters gesprochen werden (und bei einer 1999 durchgeführten Univox-Befragung stufte sich eine knappe Mehrheit der befragten RentnerInnen nicht zur Gruppe der älteren Menschen ein).
Wichtige Ursachen für diese Entwicklung sind bessere Gesundheit und bessere wirtschaftliche Absicherung bei den neuen Rentnergenerationen, aber auch die Tatsache, dass die neuen Rentnergenerationen schon in ihrer Jugend mit einer aktiven, leistungs- und körperlich orientierten Kultur konfrontiert wurden. So darf nicht vergessen werden, dass die im Jahre 2001 65 Jahre alt werdenden Frauen und Männer in ihrer Jugend von der Jugendkultur der 50er Jahre (Elvis Presley und Rock n Roll u.a.) geprägt wurden.
C) Freizeittätigkeiten in der nachberuflichen Lebensphase
Eine im Jahre 2000 durchgeführte Erhebung bei gesunden 50-80-jährigen Menschen liess erkennen, dass Naturerlebnisse, Reisen, aber auch Haus und Garten gegenwärtig zu den drei wichtigsten Wunschtätigkeiten gehören. Kultur, soziale Tätigkeit sowie Weiterbildung stehen weniger im Vordergrund.
Tabelle 4:
Tätigkeitswünsche und Wunschtätigkeiten bei 50-80-jährigen
subjektiv gesunden Frauen und Männern 1991 und 2000
| Tätigkeitswünsche/Wunschtätigkeiten: |
1991
|
2000
|
|
- Naturerlebnis
|
56%
|
57%
|
|
- Reisen
|
39%
|
57%
|
|
- Haus und Garten
|
36%
|
42%
|
|
- Kultur
|
22%
|
39%
|
|
- Soziale Tätigkeit
|
22%
|
22%
|
|
- Weiterbildung
|
12%
|
21%
|
|
- Fitness
|
9%
|
11%
|
Quelle: Ernest Dichter SA, Institut für Motiv- und Marktforschung (2000) Senioren 2000. Eine neue Generation auf dem Weg zur Selbstverwirklichung, Zürich: Ernest Dichter SA: 6 (Grundlage: Befragung von 900 Personen im Alter 50-80 Jahren in der Schweiz, welche sich subjektiv als gesund bezeichneten. Auswahl gemäss Quoten-Randomverfahren (je ein Drittel 50-59, 60-69, 70-80 Jahre).
Die von Hans Dieter Schneider durchgeführte Panel-Studie zu Übergängen in den Ruhestand lässt allerdings erkennen, dass viele vor der Pensionierung geplante Aktivitäten nur teilweise realisiert werden. So werden weniger Ausflüge gemacht, weniger Bücher gelesen und weniger gebastelt als ursprünglich geplant. Dasselbe gilt für Konzertbesuche, Weiterbildung und Hobbies wie Fotografieren, Musizieren, Malen usw. Dafür wird mehr Zeit vor dem Fernsehen verbracht als geplant. Insgesamt zeigen sich allerdings beim Übergang in die nachberufliche Lebensphase vielfach weniger Veränderungen des Freizeitverhaltens als erwartet.
In Tabelle 5 sind für die zuhause lebenden 65-79-jährigen Personen - gemäss Ersterhebung des schweizerischen Haushaltspanels 1999 - die Häufigkeit diverser Freizeitaktivitäten aufgeführt:
Tabelle 5:
Häufigkeit diverser Tätigkeiten bei 65-79-jährigen Menschen
1999
|
Antwort:
|
täglich
|
mind. 1x pro Woche
|
mind 1x pro Monat
|
weniger häufig/ nie
|
| Lesen |
90%
|
7%
|
1%
|
2%
|
| Entspannen |
90%
|
6%
|
1%
|
4%
|
| Musik hören |
81%
|
13%
|
2%
|
4%
|
| Spazieren |
40%
|
43%
|
8%
|
8%
|
| Werken/ do-it-yourself |
23%
|
27%
|
12%
|
38%
|
| Gartenarbeiten |
19%
|
29%
|
9%
|
43%
|
| Velo- /Motorradfahren |
19%
|
30%
|
8%
|
43%
|
| Individueller Sport |
16%
|
24%
|
3%
|
57%
|
| Freunde treffen |
5%
|
46%
|
33%
|
16%
|
| Bar-, Pub-, Restaurantbesuch |
5%
|
33%
|
27%
|
35%
|
| Musik spielen |
4%
|
6%
|
3%
|
87%
|
| Einkaufen |
3%
|
26%
|
27%
|
44%
|
| Auswärtsessen |
1%
|
20%
|
44%
|
35%
|
| Gruppensport |
0
|
11%
|
2%
|
87%
|
| Kurse besuchen |
0
|
6%
|
3%
|
91%
|
| Sportevents besuchen |
0
|
4%
|
9%
|
87%
|
| Theater, Oper, Ausstellungen |
0
|
4%
|
25%
|
71%
|
| Kinobesuch |
0
|
1%
|
7%
|
93%
|
Quelle: Haushaltspanel 1999: Berücksichtigt: zuhause lebende 65-79 Jährige (N: 861).
Lesen, Entspannen und Musikhören sind für die grosse Mehrheit alltägliche Aktivitäten auch im höheren Lebensalter. Allerdings ist anzuführen, dass sich gemäss dieser Erhebung auch 66% der 40-49-jährigen und 74% der 50-64-jährigen Personen täglich entspannen.
Tägliches oder zumindest wöchentliches Spazierengehen gehört zum Alltag älterer Menschen (und diese Aktivität wird mit der Pensionierung häufiger ausgeübt). Werken und Gartenarbeiten werden ebenfalls häufig ausgeübt, vor allem in ländlichen Gebieten. Freunde treffen, auswärtsgehen, sowie Einkaufen sind ebenfalls häufige, wenn auch nicht tägliche Aktivitäten.
Deutlich seltener sind Gruppensport, Besuch von Sportevents oder individuelle sportliche Aktivitäten, wobei das geringere Aktivitätsniveau der älteren Menschen im Vergleich zu jüngeren Menschen nicht nur Alterseffekte, sondern auch Generationenunterschiede widerspiegelt. Tatsächlich waren in früheren Generationen sportliche Aktivitäten weniger selbstverständlich.
Kulturelle Aktivitäten wie auch Kursbesuche sind auch im höheren Lebensalter eher die Ausnahme. Auf jeden Fall zeigt sich kein Trend zu vermehrten kulturellen und bildungsbezogenen Aktivitäten nach der Pensionierung, sondern wer in früheren Lebensjahren kulturell interessiert war, bleibt es meist auch im höheren Lebensalter; wie umgekehrt ein geringes kulturelles Interesse sich auch im Alter fortsetzt.
Rund 5-6% der zusammenlebenden Paare im AHV-Alter haben im übrigen ernsthafte Meinungsunterschiede über die Freizeitgestaltung in dieser Lebensphase, und gut 6-7% der 65-74-jährigen Paare sind sich über die gemeinsamen Lebensprojekte nicht einig.
Die Freizeitaktivitäten werden in der nachberuflichen Lebensphase nur bei einer Minderheit in bedeutsamer Weise erweitert. Dennoch fühlen sich die Pensionierten mit ihren Freizeitaktivitäten und - erwartungsgemäss - auch mit ihrer freien Zeit zufriedener als die erwerbstätige Bevölkerung. Es scheint, dass die nachberufliche Lebensphase zwar häufig nicht zu einer Ausweitung des freizeitlichen Aktivitätsniveaus beiträgt, trotzdem steigt die allgemeine positive Einschätzung dieser Aktivitäten.
Tabelle 6:
Zufriedenheit mit Freizeitaktivitäten und freier Zeit nach Altersgruppen
1999
|
40-49 Jahre
|
50-64 Jahre
|
65-79 Jahre
|
Diff. signifikant:
|
|
|
N:
|
1589
|
1670
|
866
|
|
| Zufriedenheit mit Freizeitaktivitäten |
7.8
|
8.2
|
8.8
|
.000
|
| Zufriedenheit mit freier Zeit |
7.0
|
8.0
|
9.2
|
.000
|
N: 4125 zuhause lebende Personen zwischen 40-79 Jahren,
Zufriedenheit: Skalen von 0-10: je höher der Wert, desto zufriedener.
Quelle: Haushaltspanel 1999.
D) Teilnahme in Vereinen, ehrenamtliche und freiwillige Tätigkeiten
Gemäss Gesundheitserhebung 1997 nehmen rund 40% der AHV-RentnerInnen mindestens 1-mal pro Woche an Vereinsanlässen teil. Dies ist etwas weniger als die jüngere Bevölkerung. Auch die Daten des schweizerischen Haushaltspanels 1999 deuten auf eine leicht geringere Vereinsteilnahme bei älteren Personen hin. Dahinter verbirgt sich nur teilweise ein altersmässiger Rückzug, sondern bedeutsam sind möglicherweise auch Generationenunterschiede sozialer Partizipation. So sind ältere Menschen generationenbedingt weniger häufig in Sport- oder Freizeitvereinen tätig.
Tabelle 7:
Soziale Partizipation nach Altersgruppen 1999
|
Alter:
|
40-44 J.
|
45-49 J.
|
50-54 J.
|
55-59 J.
|
60-64 J.
|
65-69 J.
|
70-74 J.
|
75-79 J.
|
|
N:
|
853
|
736
|
714
|
531
|
425
|
376
|
298
|
192
|
| Teilnahme an Vereinsaktivitäten |
55%
|
55%
|
53%
|
53%
|
52%
|
49%
|
46%
|
40%
|
| Organisierte freiwillige Tätigk. |
44%
|
45%
|
36%
|
40%
|
36%
|
35%
|
28%
|
24%
|
Quelle: Haushaltspanel 1999
Auch die Freiwilligentätigkeit ist primär kontinuitätstheoretischen Trends unterworfen: Wer in jüngeren Lebensjahren Freiwilligenarbeit leistet, wird dies auch nach der Pensionierung tun, zumindest bis gesundheitliche Probleme eine Einschränkung der Aktivitäten erzwingen. Wer während seinen Erwerbsjahren keine Freiwilligenarbeit leistet, wird dies mit grosser Wahrscheinlichkeit auch dann nicht tun, wenn sie oder er aufgrund der Pensionierung mehr Zeit hat.
Eine multivariate Analyse (logistische Regression) lässt bei der Teilnahme an Vereinsaktivitäten einerseits erkennen, dass die Teilnahmehäufigkeit mit steigendem Bildungsstatus signifikant ansteigt. Während 40% der 65-79-jährigen Befragten mit tertiärer Bildung eine Teilnahme bejahen, sind es bei den gleichaltrigen Befragten mit primärer Bildung nur 21%. Andererseits nehmen verheiratete Befragte häufiger teil als nicht-verheiratete Befragte. Zusätzlich ist auch die subjektive Gesundheitseinschätzung relevant, und je unbefriedigender der Gesundheitszustand ist, desto geringer ist die Teilnahme.
Analoge Beziehungen zeigen sich auch bei der organisierten Freiwilligenarbeit: Häufiger bei den subjektiv Gesunden, den gut Ausgebildeten und den Verheirateten. Zusätzlich sinkt die Teilnahme an der organisierten Freiwilligenarbeit aber auch im höheren Lebensalter tendenziell ab.
Eher eine Tendenz zu weniger Freiwilligenarbeit als zu mehr Freiwilligenarbeit im Rentenalter zeigen auch die Angaben aus der Schweizerischen Arbeitskräfte-Erhebung (SAKE) (Tabelle 8).
Tabelle 8:
Freiwilligenarbeit bei RentnerInnen in der Schweiz 1997 und 2000
| Beteiligungsquoten, in %: |
Alter:
|
55-61/64 J.
|
62/65-74 J.
|
75+ Jahre
|
| - ehrenamtliche und freiwillige Tätigkeiten in einem | 1997 |
29%
|
22%
|
11%
|
| Verein oder einer Organisation | 2000 |
27%
|
19%
|
9%
|
| - informelle unbezahlte Tätigkeiten (Nachbarschafts- | 1997 |
32%
|
40%
|
19%
|
| hilfe, fremde Kinder betreuen, Dienstleistungen u.a.) | 2000 |
27%
|
32%
|
13%
|
Quelle: Schweiz. Arbeitskräfte-Erhebungen 1997 und 2000.
Die Definition, was Freiwilligenarbeit ist, bleibt allerdings bei allen Befragungen den jeweiligen Befragten überlassen. Deshalb darf die Aussagekraft solcher Daten nicht überschätzt werden. Beim sozialen Engagement jüngerer RentnerInnen werden allerdings dennoch zwei interessante Sachverhalte sichtbar:
Einerseits ist nur eine Minderheit von rund einem Fünftel der jüngeren RentnerInnen (bis zum Alter von 74 Jahren) in der organisierten Ehren- und Freiwilligenarbeit aktiv, und der Anteil organisiert tätiger RentnerInnen liegt unter dem Anteil der jüngeren Altersgruppen. In bezug auf die organisierte Freiwilligenarbeit älterer Menschen bestehen noch Lücken.
Andererseits übernehmen viele ältere Menschen informelle Tätigkeiten ausserhalb von Freiwilligenorganisationen, sei es in Form von Nachbarschaftshilfe, bei der Betreuung ihrer Enkelkinder oder sei es in Form kleiner Hilfeleistungen für Fremde. Von den jüngeren RentnerInnen sind zwischen einem Drittel bis zwei Fünftel in irgendeiner Weise für Andere tätig, was mehr ist als bei den Erwerbstätigen. Hilfeleistungen und soziale Engagements älterer Menschen geschehen somit häufig informell und unorganisiert, und deshalb wird der Beitrag älterer Menschen am sozialen Geschehen oft unterschätzt.
Die in Tabelle 9 aufgeführten Angaben verdeutlichen zusätzlich, dass ältere Menschen häufig finanzielle Hilfe leisten (sei es an Kindern oder pflegebedürftige Verwandte). Vor allem Frauen, aber auch nicht wenige Männer kümmern sich oft auch um ältere Menschen ausserhalb des Haushalts. Teilweise handelt es sich um die hochbetagten Eltern 50-60-jähriger Frauen und Männer, in nicht wenigen Fällen wird jedoch Hilfe an Dritte geleistet (Nachbarn, Freunde). So ist beispielsweise mehr als ein Drittel der 75-79-jährigen Frauen (und immerhin 15% der gleichaltrigen Männer in der Altersbetreuung tätig.
Tabelle 9:
Finanzielle Hilfeleistungen und Altersbetreuung 1999
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Alter Referenzperson:
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55-59 J.
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60-64 J.
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65-69 J.
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70-74 J.
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75-79 J.
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In den letzten 12 Monaten:
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N: 431
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N: 333
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N: 316
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N: 272
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N: 176
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| - Auszahlungen an Personen ausserhalb Haushalt* |
32%
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31%
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25%
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21%
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19%
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| - unentgeltlich um ältere Menschen gekümmert** | |||||
| Alle |
42%
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37%
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34%
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26%
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28%
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| Männer |
36%
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29%
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29%
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20%
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15%
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| Frauen |
46%
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41%
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38%
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31%
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36%
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*: Kind/er, Eltern im Pflegeheim, Ex-PartnerIn u.a.
**ältere Menschen ausserhalb Haushalt.
Quelle: Schweiz. Haushaltspanel 1999.
Hauptergebnisse in Thesenform
1: Der Anteil der erwerbstätigen Menschen im AHV-Alter ist deutlich gesunken. Erwerbsarbeit im Arbeit ist heute die Ausnahme geworden, allerdings sind namentlich Frauen faktisch weiterhin oft mit Hausarbeiten beschäftigt.
2: Heutige Generationen älterer Menschen weisen vielfach in mancherlei Hinsicht ein 'jüngeres Verhalten' auf als frühere Generationen. Der Lebensstil von 65-74-jährigen Menschen, teilweise aber auch derjenige der über 75-jährigen Menschen hat sich eindeutig in Richtung einer aktiven und freizeitorientierten Lebensgestaltung verschoben.
3: Naturerlebnisse, Reisen, aber auch Haus und Garten gehören bei 50-80-jährigen (gesunden) Menschen zu den drei wichtigsten Wunschtätigkeiten. Kulturelle und soziale Tätigkeiten sowie Weiterbildung stehen weniger im Vordergrund.
4: Viele der vor der Pensionierung geplanten Aktivitäten werden nur teilweise realisiert. Beim Übergang in die nachberufliche Lebensphase werden primär kontinuitätstheoretische Annahmen bestätigt.
5: Die Freizeitaktivitäten werden in der nachberuflichen Lebensphase nur von einer Minderheit in bedeutsamer Weise erweitert. Dennoch fühlen sich die meisten Pensionierten mit ihren Freizeitaktivitäten zufriedener als die erwerbstätige Bevölkerung.
6: Auch die Teilnahme an Vereinen und die Freiwilligenarbeit im Alter unterliegen primär kontinuitätstheoretischen Trends: Wer in jüngeren Lebensjahren aktiv war, ist dies häufig auch nach der Pensionierung.
7: Ausbildung, Lebensform sowie gesundheitliches Befinden sind drei zentrale Einflussfaktoren sozialer Partizipation, und je höher der Bildungstatus, desto eher wird organisierte Freiwilligenarbeit geleistet.
8: Hilfeleistungen und soziale Engagements älterer Männer und Frauen geschehen häufig informell und organisiert. Dies führt dazu, dass der Beitrag älterer Menschen am sozialen Geschehen oftmals unterschätzt wird.
9: Auch ältere Menschen leisten häufig finanzielle Hilfe an Andere, und informell ist nahezu ein Drittel der 65-79-jährigen Frauen informell in der Altersbetreuung tätig.
letzte Aenderungen: 19.März 2004